Politische Bildungspartnerschaft mit positiver Bilanz und Resonanz

Eine zufriedene Bilanz zieht der Verein Miteinander leben e.V. zusammen mit der Ratzeburger Volkshochschule nach dem gelungenen Auftakt ihrer politischen Bildungsreihe im Rahmen des "Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen" (PfD). Zu Jahresbeginn hatten beide Bildungsträger sich beim Begleitausschuss des PfD mit ihrer Projektidee vorgestellt, niederschwellige politische Bildungsangebote in Ratzeburg und dem angrenzenden ländlichen Raum langfristig etablieren zu wollen und ein erstes Semesterprogramm für den zurückliegenden Herbst angekündigt. Vier Vortragsveranstaltungen wurden ab September angeboten, zu jeweils unterschiedlichen politischen Themen und dem Konzept entsprechend auch an jeweils unterschiedlichen Orten. Aus Sicht der VHS Ratzeburg ein sehr lohnendes Engagement mit jeweils gutem Publikumszuspruch, zumindest bei dreien der Vorträge. Orkan Xavier durchkreuzte ganz unpolitisch den dritten Vortragstermin in der katholischen Gemeinde St. Answer und hinderte den Referenten schlicht an der Anreise. Dafür zeigte sich bei allen anderen Veranstaltungen eine durchweg interessierte und diskussionsfreudige Zuhörerschaft, besonders beim Auftaktvortrag von Dr. Udo Metzinger zum Thema "Die US-Präsidentschaft des Donald J. Trump", zu dem es sehr viel Nachfragen und Gesprächsbedarf zu der wohl entscheidenden Frage, was von Präsident Trump noch zu erwarten oder gar zu befürchten steht. Ein Ausblick des Referenten stimmte dabei eher bedenklich als erleichternd, insbesondere sein Verweis auf die sich verstärkende Spaltung der amerikanischen Gesellschaft und die zunehmende Salonfähigkeit von rechtsradikalem und rassistischem Gedankengut, denen die Präsidentschaft Trumps offensichtlich Vorschub leistet.

Trumped - Die US-Präsidentschaft des Donald J. Trump

Volkshochschulleiter Holger Martens (li.) begrüßt zum politischen Bildungsvortrag "Trumped - Die US-Präsidentschaft des Donald J. Trump" mit Dr. Udo Metzinger (sitzend) im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses

Ebenso viel diskutiert wurde zu den Ausführungen von Dr. Ya­şar Aydin zur "Erdogans neuer Türkei", der einen sehr differenzierten Blick auf die Entwicklung der Türkei, die Ära Erdogan und die türkische Zivilgesellschaft werfen konnte. Dr. Aydin verstand es dabei sehr sachkundig, türkische Perspektiven zu vermitteln, die Präsident Erdogan in die Hände spielen, beispielsweise die aus Sicht vieler Türken mangelnde Berücksichtigung von türkischen Sicherheitsinteressen von NATO-Alliierten. Allerdings konnte er auch auf Beispiele einer immer noch sehr engagierten Zivilgesellschaft verweisen, die nicht bereit ist, dem neuen Präsidialsystem widerstandlos eine mögliche Diktatur folgen zu lassen.

Trumped - Die US-Präsidentschaft des Donald J. Trump

Dr. Ya­şar Aydin referiert zur "Erdogans neuer Türkei" im Ratzeburger Ratssaal

Besonders erfreulich verlief für den Verein Miteinander leben e.V. und die Ratzeburger Volkshochschule der Versuch, eine erste politische Bildungsveranstaltung auf dem Dorf, genauer gesagt in Buchholz, zu organisieren. Knapp 30 Zuhörer*innen fanden sich im dortigen Dorfgemeinschaftshaus ein, um mit einem sehr kenntnisreichen und fundierten Vortrag von Dr. Günther Rusch zum Thema "Ausverkauf und Ausbeutung afrikanischer Wirtschaftsressourcen", ein Phänomen, dass zum einen afrikanische Lebensgrundlagen zerstört und so ganz maßgeblich zu Migration in Richtung Europa beiträgt, zum anderen aber auch ebenso maßgeblich auf das Primat westlicher, auch europäischer Wirtschaftsinteressen in Afrika verweist. Dr. Rusch skizzierte so ein sein widersprüchliches Bild mit komplexen Zusammenhängen und Abhängigkeiten, die für viel Gesprächsstoff sorgten. Seinen zweiten Vortrag zum Thema "Afrikanische Migration" musste Dr. Rusch zwar sturmbedingt verschieben, soll aber im kommenden Frühjahr definitiv nachgeholt werden.

Trumped - Die US-Präsidentschaft des Donald J. Trump

Dr. Günther Rusch (hinten re.) diskutiert in Buchholz über die Folgen
asymetrischer Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Afrika

"Politische Bildung ist einer der ehrenwertesten Aufgaben in der Erwachsenbildung und wir sind immer froh, wenn wir solche Angebote, auch unterstützt durch einen politischen Bildungsträger wie den Verein Miteinander leben e.V., für interessierte Bürger*innen in unser Bildungsprogramm aufnehmen können. Dass uns dabei das Bundesprogramm "Demokratie leben" über unseren PfD zudem die Möglichkeit gibt, diese Vorträge völlig kostenfrei für alle Besucher*innen auszugestalten, ist ein ganz besonderer Bonus", sagte Volkshochschuleiter Holger Martens.


 

9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus

Boizenburgs Bürgermeister Harald Jäschke (Mitte) begrüßt die Konferenzteilnehmer*innen

9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus

Marius Hellwig von der Amadeu-Antonio-Stiftung referiert über Rechtsextremismus im ländlichen Raum

9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus

Workshops und Raum für gemeinsamen Austausch ... zum Thema "Hate Speech - Hass im Netz" ...

Demokratieverstärker*innen im Fokus der 9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus

Aktueller Wissenstransfer mit konkreter Praxisbezügen und vor allem der persönliche Austausch standen im Mittelpunkt der 9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus in Boizenburg, zu der sich am Samstag vor einer Woche 90 politisch und überwiegend ehrenamtlich aktive Bürger*innen aus ganz Norddeutschland in der Rudolf-Tarnow-Schule trafen. Einmal jährlich bieten der Verein Miteinander leben e.V., das RAA-Regionalzentrum Westmecklenburg, das Regionale Beratungsteam Lübeck des AWO-Landesverbandes S.-H., das Ratzeburger Bündnis und der Landkreis Stormarn Multiplikator*innen diese Möglichkeit, sich zu aktuellen Erkenntnissen über die rechtsextreme Szene in Norddeutschland zu informieren, gemeinsam an Strategien gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu arbeiten und dabei ein überregionales Netzwerk von Aktiven zu knüpfen. Dazu werden eine Reihe von fachspezifischen Workshops angeboten, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Rechtsextremismus befassen und von Expert*innen aus dem gesamten Bundesgebiet durchgeführt werden.

Der Fokus der diesjährigen Regionalkonferenz Rechtsextremismus lag auf dem Phänomen des "Rechtsextremismus im ländlichen Raum" mit einem Schwerpunkt in den Themenstellungen des institutionellen Rassismus und des Alltagsrassismus, aber auch mit Blick auf die Rolle von Frauen im Rechtsextremismus. Dazu wurden Angebote für die praktische Arbeit der Aktiven geschaffen, so ein Argumentationsworkshop für die Auseinandersetzung mit Rechtspopulisten und Rechtsextremisten, ein Workshop zur Kampagnenarbeit in ländlichen Raum wie auch zur Elternberatung rechtsaffiner Jugendlicher sowie eine Förderbörse für Projektträger*innen. Zudem organisierte die Boizenburger Initiative fair_bockt e.V einen Jugendworkshop zum Thema "Hate Speech - Hass im Netz erkennen und begegnen". Die Angebote wurden auf Grundlage einer umfangreicher Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung wie auch im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" durch die verschiedenen "Partnerschaften für Demokratie" in der Region, im Kreis Herzogtum Lauenburg, in Ratzeburg und dem Amt Lauenburgische Seen, in Lauenburg, Büchen und Lütau sowie in Boizenburg und Lübtheen, ermöglicht.

Zur Einführung in die 9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus referierte Marius Hellwig von der Amadeu-Antonio-Stiftung zu den Faktoren, die Rechtsextremismus in ländlichen Räumen begünstigen, ohne dabei zu vergessen, das Rechtsextremismus auch ein städtisches Phänomen sein kann. Boizenburgs Bürgermeister Harald Jäschke zeigte sich vom Zuspruch zur Konferenz beeindruckt und betonte, wie wichtig es sei, in der gemeinsamen Arbeit gegen Rechtsextremismus und Rassismus nicht nachzulassen und diese in solch einem überregionalen Kontext zu stellen. Dr. Daniel Trepsdorf, Leiter des RAA-Regionalzentrum Westmecklenburg, verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Konferenzen: "Hier können sich all die Demokratieverstärker*innen Ideen, Rückhalt und Austausch holen, die sie in ihrer alltäglichen Arbeit brauchen, um den eigenen langen Atem, der für die Arbeit gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus nötig ist, zu bewahren." Und Mark Sauer vom Verein Miteinander leben e.V. ergänzte: "Die Anforderungen an dieses Engagement sind eher größer geworden, da sich im Zuge eines erstarkenden Rechtspopulismus alltagsrassistische Tendenzen in unserer Gesellschaft und eine Verrohung der zwischenmenschlichen Umgangsformen merkbar ausbreiten."

9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus 9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus

...zum Thema "Beratung & Gespräch mit rechtsaffinen Eltern in Kita und Schule" – oder miteinander im Forum.

Die Konferenzteilnehmer*innen äußerten sich durchweg zufrieden zu den angebotenen Inhalten, den Möglichkeiten zum gemeinsamen Gespräch aber auch zur umfassenden Versorgung, die durch das Lebenshilfewerk Hagenow organisiert wurde. Zur Regionalkonferenz 2018 verabredete man sich in Ratzeburg, dort wo die Regionalkonferenzen ihren Ausgang genommen haben. "Im kommenden Jahr werden wir bereits das 10. Mal zusammenkommen, ein guter Grund, dankbar Bilanz zu ziehen und neben dem fachlichen Austausch auch einen kulturellen Höhepunkt zu organisieren - das macht Mut und stärkt uns in unserer gemeinsamen Arbeit", sagte Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß als Vertreter des gastgebenden Ratzeburger Bündnisses.


 

9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus

9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus und Demokratieförderung tagt in Boizenburg

Der Verein Miteinander leben e.V. Mölln, das Ratzeburger Bündnis, das Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg in der Trägerschaft des RAA sowie das Regionale Beratungsteam Lübeck (RBT SH / AWO) laden zur neunten Ausgabe der "Regionalkonferenz Rechtextremismus und Demokratieförderung", die in diesem Jahr in der Rudolf-Tarnow-Schule in Boizenburg Station macht.

In ihrem fünften Jahr gilt die "Regionalkonferenz Rechtsextremismus und Demokratieförderung" als die größte Plattform in Norddeutschland zur länderübergreifenden Vernetzung und Auseinandersetzung mit Themen wie Rassismus, Rechtspopulismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF). Zivilgesellschaft und Politik, Verwaltung und Vertreter aus Wirtschaft, Kirche, Gewerkschaften, sozialen Verbänden und Friedensbewegung kommen hier an wechselnden Orten zusammen. Der Austausch mit Fachkräften aus der Praxis der Demokratieförderung steht neben der Entwicklung von alltagsnahen Strategien gegen die Abwertungsideologien der extremen Rechten im Zentrum der Tagung. Mehr als 1.000 MultiplikatorInnen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden so in den zurückliegenden Jahren bereits im Bereich der Demokratiestärkung fortgebildet.

Das Jahr 2017 war geprägt von rechtspopulistischen Wahlerfolgen. Im ländlichen Raum sind Rechtsextremismus, Rassismus, Abwertung und Hass gegenüber Minderheiten seit langem verwurzelt. Diesen Tendenzen wirken die Mitglieder diverser Demokratiebündnisse, Engagierte in der Menschenrechtsarbeit und Demokratieverstärker entgegen. Als größtes Netzwerk- und Austauschforum zur Demokratiearbeit in Norddeutschland bietet die Regionalkonferenz Fachwissen und Umgangsstrategien an. Aktive aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg werden sich hierzu in sieben Workshops austauschen.

Dr. Daniel Trepsdorf, Leiter des Regionalzentrums Westmecklenburg, betont: „Gerade in einer Zeit, wo rechtsoffene, rechtspopulistische, und rechtsextreme Ideen Auftrieb erhalten, ist es wichtig, dass sich progressive zivilgesellschaftliche Akteure vernetzen. Es geht darum, Argumente, Ideen und Position auszutauschen, die dabei hilfreich sind, unseren sozialen Nahraum demokratisch und mit Respekt zu gestalten.“

Thematisch befassen sich die Workshops daher mit den Themen Alltags- und institutionellem Rassismus, der Begegnung von Hass in Institutionen und auch im Internet, der besonderen Rolle von Frauen im Rechtsextremismus sowie Strategien zur erfolgreichen Kampagnenarbeit von Bündnissen im ländlichen Raum. Weiterhin werden Vertreterinnen und Vertreter der "Partnerschaften für Demokratie" (PfD) ihre Unterstützungskonzepte vorstellen und die Fördermöglichkeiten des Bundesprogramms "Demokratie leben!" des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erörtern.

Die 9. Regionalkonferenz Rechtsextremismus selbst wird durch die "Partnerschaften für Demokratie" in Boizenburg, im Kreis Herzogtum Lauenburg, in Lauenburg-Büchen-Lütau und in Ratzeburg - Amt Lauenburgische See im Rahmen dieses Bundesprogramms "Demokratie leben!" unterstützt, ebenso durch die Bundeszentrale für politische Bildung.


 

Sondergipfel des »EU-Rates« fand in Ratzeburg statt –
Der europäische Umgang mit der Flüchtlingssituation als Planspiel

Ratzeburg (tbi). Außengrenzen verstärkt sichern? Mehr europäische Solidarität für Italien und Griechenland? Wie stellt sich die Europäische Union künftig auf, um mit dem Zustrom von Flüchtlingen umzugehen? Fragen, denen sich die Teilnehmer eines ambitionierten Rollenspiels am Sonnabend in den Räumen der Volkshochschule (VHS) freiwillig und neugierig aussetzten. Die VHS hatte mit dem Verein Miteinander leben e:V. kooperiert und das für die Teilnehmer kostenlose Seminar wurde durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen“ gefördert.

Sondergipfel

Bürgermeister Rainer Voß ließ es sich trotz terminlicher Enge nicht nehmen, die „Gipfelteilnehmer“ und Seminarleiter Kreft persönlich zu begrüßen und an der einstündigen Themeneinführung durch den ausgewiesenen Experten für Europapolitik Enrico Kreft teilzunehmen. In den zugeteilten Rollen von Regierungschefs, Innenministern, Ratspräsident und Kommissionspräsidentin konnte sich an Hand eines Fakten- und Positionspapieres in die jeweilige Rolle eingearbeitet werden, um die oft streitbaren Ansätze zur künftigen Ausrichtung Europas vertreten zu können. Die größte Herausforderung war dabei, dass der Rat Beschlüsse nur einstimmig treffen kann. Während einige „Regierungschefs“ die humanitäre Ausrichtung Europas und die Minderung des Elends der Flüchtlinge in den Vordergrund stellten – im Rollenspiel waren das hauptsächlich Italien, Griechenland, Frankreich, die sich für einen europäischen Verteilungsschlüssel einsetzten, - ging es bei anderen Ländern um Obergrenzen und die Sicherung der Außengrenzen. Dafür machten sich Ungarn, Finnland und Polen stark.

Bei dem Rollenspiel kristallisierte sich schnell heraus, dass es keine schnelle und zufriedenstellende Lösung für alle beteiligten Interessen in Europa geben kann. Vielen „Mitspielern“, die zum Teil selbst einen Migrationshintergrund haben, machte es sichtlich Freude, nicht nur nach konstruktiven Lösungsansätzen zu suchen, sondern auch zu europapolitischen Rundumschlägen auszuholen. Dank der Moderation des „Ratspräsidenten“ und den Mehrheitswünschen konnte sich zumindest auf die Diskussion über den Teilaspekt Sicherung der Außengrenzen durch die Stärkung von FRONTEX geeinigt werden. In „multilateralen“ Gesprächsgruppen und Dank Überweisung von Teilaspekten an Gremien der Finanz- und Innenminister gelang ein schwacher Kompromiss, der keinen Verteilungsschlüssel mehr vorsah und die Grenzsicherung verstärken soll. FRONTEX solle künftig auch Flüchtlinge zurückweisen dürfen und Aufnahmezentren in Drittländern aufgebaut werden. Die Aufnahmequote war vorerst vom Tisch und finanzielle Regelungen zur Grenzsicherung sollten - als „solidarische europäische Arbeitsteilung“ betitelt – von Fachleuten durchgerechnet werden.

„Mit diesem Kompromiss hätten wir de facto Europa abgeschottet“, resümierte Teilnehmer Mark Sauer („Ungarn“) die mühsam erarbeitete Kompromisslösung. Nach der gut sechsstündigen Simulation war allen Teilnehmern klar, welche Schwierigkeiten es im EU-Rat geben kann, wenn es um einstimmige Beschlüsse geht. Gestärkt wurden die Gipfelteilnehmer durch ein gemeinsames Mittagessen mit Spezialitäten aus der syrischen Küche. Enrico Kreft hat viel Erfahrung mit Simulationen und Rollenspielen und bestätigte den Eindruck der „Politiker auf Zeit“, dass in kleineren Einheiten und Gruppengesprächen „einfacher zu einem Ergebnis gekommen wird“.

Autor/in: Thomas Biller (erschienen im MARKT Ratzeburg / Mölln)


 

Schüler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule

Schüler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule verhandelten zur europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik - Enrico Kreft (hinten re.) erläutert den Ablauf des Planspiels und die verschiedenen Rollen

Schüler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule

Schüler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule verhandelten zur europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik - Die "Präsidentinnen des Europäischen Rates, (vl.) Hannah Kofahl, Luisa Marx, Hanna Kanz beraten mit Enrico Kreft (re.) und Lehrerin Maike Elend (li.) die weitere Verhandlungsführung

Schüler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule

Schüler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule verhandelten zur europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik

Schüler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule verhandelten zur europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik

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Politische Prozesse jenseits des Lehrstoffes in lebendiger Weise verständlich machen, war das Ziel eines besonderen Planspiels, welches Enrico Kreft mit Schüler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule kurz vor den Herbstferien durchführte. Im Zentrum des Spiels standen die schwierigen Verhandlungen des „Europäischen Rates“ zu Fragen der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik. Den Schüler*innen wurden dabei die Rollen verschiedener Staatschefs, EU-Vertretern oder NGO-Delegationen (Nichtregierungsorganisationen) zugewiesen und mussten sich zunächst in die Positionen der Länder oder Verbände einarbeiten. Enrico Kreft, der als Europapolitiker regelmäßig solche Planspiele zu europäischen Themen an Schulen organisiert, gab dabei den Rahmen vor und erläuterte die Verhandlungsabläufe im Europäischen Rat, ohne allerdings die Verhandlungen selbst zu strukturieren. „Wenn der Rahmen verstanden und die Rollen einmal verteilt sind, ist es wichtig, dass Planspiel ohne Ergebnisvorgabe laufen zu lassen. Die Schüler*innen entwickeln erfahrungsgemäß eine ganz eigene Dynamik.“

Eine Einschätzung, die Lehrerin Maike Elend definitiv teilen konnte: "Es war spannend zu sehen, wie sich die Schülerinnen und Schüler in dem mehrstündigen Planspiel zunehmend in ihre Rollen einfanden und gerade in den informellen Hintergrundgesprächen engagiert für "ihr EU-Land" und eine Einigung einsetzen. Der doppelte Reiz einer solchen ganztägigen Politiksimulation besteht für mich erstens darin, dass man ohne Unterbrechungen in ein inhaltliches Thema und einen politischen Prozess eintauchen kann. Zweitens empfand ich es als gewinnbringend, mich als Lehrerin mal im Hintergrund halten zu können und nur zu beobachten, wer mögliche Lösungen z.B. durch Kompromissvorschläge vorantreibt, Bündnisse schmiedet, kritische Nachfragen stellt usw. Dies ist der große Vorteil einer externen Seminarleitung."

So zeigte sich im Verlauf des Planspiels, wie schwierig es tatsächlich ist, gemeinsam politische Lösungen zu entwickeln und zu Ergebnissen zu kommen, die für alle tragbar sind. Ganz neben bei wurden dabei auch Kompetenzen geübt, wie die Leitung von Sitzungen oder die geschickte Organisation von Verhandlungsgruppen, um mögliche Kompromisse zu finden.

Das Planspiel mit Enrico Kreft war vom Verein Miteinander leben e.V. an die Lauenburgische Gelehrtenschule vermittelt worden und wurde vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen“ gefördert.


 

politische Bildungsreihe

Ratzeburger Volkshochschule zusammen mit dem Verein Miteinander leben e.V, und mit Unterstützung der "Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen" (PfD) startet politische Bildungsreihe (vl.) Mark Sauer, Verein Miteinander leben e.V., Silvia Tessmer und Holger Martens von der Ratzeburger Volkshochschule, Sami El Basiouni, Vorsitzender des Begleitausschusses des PfD

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Ratzeburger Volkshochschule startet zusammen mit dem Verein Miteinander leben e.V. politische Bildungsreihe ... auch im ländlichen Raum

Die Volkshochschule Ratzeburg startet zusammen mit dem Verein Miteinander leben e.V. eine weitere politische Bildungsreihe in Ratzeburg und Umgebung. Vorträge zu verschiedenen politischen Themen wie die verstörende US-Präsidentschaft des Donald J. Trump, die afrikanische Migration im Spannungsfeld von Fluchtursachen und europäischen Wirtschaftsinteressen oder die "neue" Türkei des Recep Tayyip Erdoğan werden im Verlauf des Herbstsemesters 2017 an verschiedenen Orten durchgeführt. Ebenso ist ein Planspiel zur europäischen Flüchtlingspolitik angedacht, in dem politisch Interessierte einmal in die Rolle eines europäischen Staatschefs schlüpfen dürfen, um im Europäischen Rat gemeinsam tragbare Lösungen im kritischen Themenfeld der Migration zu verhandeln.

Politische Bildung ist immer wieder Schwerpunkt im Programm der Ratzeburger Volkshochschule und wird seit dem "Jahr der politischen Bildung" in 2012 zusammen mit dem Verein Miteinander leben e.V. als zertifizierter freier Träger der politischen Bildung regelmäßig als Vorträge oder Seminare vor Ort angeboten. Über die Fördermöglichkeiten der „Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen“ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann dieses Angebot nun noch einmal nachhaltig ausgeweitet werden, auch in den ländlichen Raum, direkt vor die Haustür von jedermann und jedefrau sozusagen.

"Politische Bildung ist ein Kernanliegen der Erwachsenenbildung und wir freuen uns, dass es zusammen mit dem Verein Miteinander leben e.V. immer wieder möglich ist, solche Angebote, die durchweg gut besucht werden, vorzuhalten und zunehmend auch auszuweiten in die Umgebung", sagt Holger Martens, Leiter der Ratzeburger Volkshochschule.

Das aktuelle politische Bildungsprogramm ist auf der gemeinsamen Webplattform "www.demokratie-leben.eu" einzusehen. Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenfrei.


 

Botschaften setzen

Ebrahim Sharghi (2.vl.) überzeugte zusammen mit Mark Sauer vom Verein Miteinander leben e.V. mit dem Projekt "Botschaften setzen" und erhielten die Glückwünsche von Projektpatin Gesine Biller und vom Vorsitzendes des Begleitausschusses der "Partnerschaft für Demokratie", Sami El Basiouni

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"Botschaften setzen"
Mobiles Kunstatelier soll politische Inhalte mit künstlerischem Ausdruck verbinden

Der Verein Miteinander leben e.V. hat zusammen mit Künstler Ebrahim Sharghi ein mobiles, offenes Kunstatelier ins Leben rufen, das in Kleingruppenarbeit zu wichtigen politischen Themen unserer Zeit Kunstobjekte mit politischer Aussagekraft erschaffen und im öffentlichen Raum als Denkanstösse präsentieren will.
So ist im ersten Jahr des mobilen, offenen Kunstateliers geplant, zum Thema ”Frieden” zu arbeiten und dazu Schilder im Format von Verkehrsschildern mit einer Friedenssymbolik zu gestalten und aufzustellen.
Menschen allen Alters, aller Herkunft sollen dabei an ganz unterschiedlichen Orten, in Stadt und Dorf, dazu eingeladen werden, eine individuelle Friedensbotschaft für ihren Ort zu erschaffen, eine Botschaft, der man nach Ansicht von Ebrahim Shargi in unserer Zeit nie genug Ausdruck geben kann.

Das mobile Kunstatelier wird seine Arbeit zunächst im Nordkreis beginnen. Dort hat die "Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen" Fördermittel aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die Projektarbeit bereit gestellt.
Nach Möglichkeit soll die künstlerische, politische Bildungsarbeit aber auch an anderen Standorten des Kreises entstehen, um möglichst viele öffentliche "Botschaften setzen" zu können, die sich konstruktiv und kreativ mit aktuellen politischen Fragen auseinandersetzen.


 

 

 

Großes Interesse am Bildungsseminar
zum Thema "Reichsbürger" in Mölln

Über ein großes Interesse am politischen Bildungsseminar „Reichsbürger – Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung“ konnte sich der Verein Miteinander leben e.V. im Rahmen seiner politischen Bildungsreihe „Demokratie leben“ freuen. 25 Teilnehmer*innen aus den unterschiedlichsten Bezügen der Verwaltung, der Gerichtsbarkeit und der Zivilgesellschaft folgten in der Internationalen Begegnungsstätte „Lohgerberei“ den fundierten und sehr praxisnahen Ausführungen von Rechtsextremismusforscher David Begrich vom Miteinander e.V. aus Magdeburg. Begrich skizzierte dabei eine sehr heterogene Szene, die nicht ohne weiteres deckungsgleich mit rechtsextremen Strukturen gesetzt werden kann, obwohl es immer wieder auch viele Überschneidungen oder Personalunionen gibt. Auch eine Einschätzung hinsichtlich der Gefahr, die von der „Reichsbürger-Szene“ ausgeht, fiel ähnlich heterogen aus, von vermeintlichen „Reichskanzler“ oder „Königen“, die ihr Kabinett im Wohnzimmer führen und von dort Dekrete in die Welt senden, über sogenannte „Polizeihilfskräfte“, die amtsanmaßend staatliche Bedienstete verhaften oder Verkehrskontrollen durchführen bis hin zu bewaffneten Gruppierungen, die ihre Schusswaffen auch gegen Polizisten richten. Eindeutig fiel hingegen das Urteil des Experten im Hinblick auf die Entstehung der „Reichsbürger-Szene“ aus. Er beklagte, dass in den zurückliegenden Jahren das Fehlen von konsequentem staatlichen Handeln gegen Reichsbürger, beim Eintreiben von Steuer- oder Bußgelder, dem Ahnden von Amtsanmaßungen oder Urkundenfälschung oder der Entwaffnung als gefährlich eingeschätzter Personen, diese Szene erst hat aufblühen lassen. Reichsbürger haben immer wieder das Vorführen staatlicher Akteure geschickt medial in Szene setzen können, Videos, die in den neuen Medien den Staat als durchsetzungsschwach erscheinen lassen und die eine virale Verbreitung fanden. Solche Form von Propaganda in den neuen Medien, ein integraler Bestandteil der Szeneaktivtäten, haben viele Personen zur Nachahmung animiert, oftmals auch ohne politischen Hintergrund, sondern nur mit dem Interesse, persönliche Schulden aufgrund juristischer Scheinargumentationen nicht begleichen zu müssen.

David Begrich von Miteinander e.V. in Magddeburg erläutert Umgangsstrategien mit Reichsbürgern

Wie man als Verwaltung oder im Gericht mit den Maschen der Reichsbürger praktisch umgehen kann, wie man es vermeidet, in die in sich geschlossen Kommunikationssituationen gezogen werden, legte David Begrich an verschiedenen Fallbeispielen anschaulich dar. Wichtig, so Begrich, sei es dabei, nicht in die Falle der „Kommunikationsumkehr“ zu laufen. Reichsbürger versuchen immer wieder, mit scheinjuristischen Argumentationen auf der Basis von historischen Rechtsmaterien oder bewusst falsch interpretierten Rechtslagen zu beeindrucken und daraus Forderungen abzuleiten, sei es die Anerkennung eines Dienstausweises oder gar die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als Staat anzuzweifeln. So wird aus dem Personalausweis schnell abgeleitet, dass dieses kein Staatsdokument sein kann, sondern lediglich ein Firmenausweis ist, ausgestellt von einer BRD GmbH ohne jegliche staatliche Befugnis. Auf solche Argumentationsketten ist, so Begrich, keine sinnvolle Einlassung möglich oder auch gar notwendig. Begrich warnte aber eindringlich, solche Vorfälle, von denen ein Großteil der Teilnehmer*innen sich selbst betroffen zeigten, als „Spinnerei“ abzutun, da es immer wieder zu sehr gefährlichen Begegnungen mit Reichsbürgern kommen kann, in denen Verwaltungs- oder Gerichtsmitarbeiter oder Polizisten verbal und körperlich bedroht werden. Eine Einschätzung hinsichtlich der zu vermutenden Radikalisierung der jeweiligen Person ist somit immer unabdingbar.


 

Dr. William Boehart,
Vorsitzender des Lauenburgischen Kunstvereins

Nachgang zum Sommerseminar „Amerika hat die Wahl“ mit Dr. Udo Metzinger

„Gedanken zur Wahl des amerikanischen
Präsidenten Donald Trump“
von Dr. William Boehart aus Mölln

THE UNITED STATES OF AMERICA (1776-2016)
AN OBITUARY (sort of)

I woke up on Wednesday, 9th of November, around 6.30 AM as usual and made by first cup of coffee. I don’t do anything until I’ve had my first sips of coffee. I turned on the computer and went to CNN to see how the election had turned out. BIG LETTERS confronted me: TRUMP’S SURGE. It was clear that Donald J. Trump was going to be the next president of the United States. My vote from Mölln, Germany, hadn’t made any difference.
Shock
Disbelief
My first reaction: That is not my country any more.
Perhaps it never was my country. Maybe I had developed for myself the illusion of a liberal, open society that looked optimistically and energetically into the future, of a country that despite a long history of racial and minority suppression and discrimination, of war and violence, of periods of political aberration and turmoil still held as its most important values the principles of the Declaration of Independence, principles that were formed during the European Enlightenment – a belief in the power of reason, tolerance and the respect for a single human life, of a country that welcomed diversity and intermingling of all people regardless of race, creed or sexual preference. America – to use the emotionally charged name for the United States one time – was (is?) a unique country. It did not develop in course of a long history out of a homogeneous population in a set geographic area but defined itself through the commitment to common values and “made” its people.
“Give me your tired, your poor,
Your huddled masses yearning to breathe free
….“

In the broadest sense anyone is an “American” who can sign into the words out of the Declaration: “We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. — That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed.” In High School I memorized these words and other from the Founding Fathers, and not just memorized them, but have come to realize their meaning. The Enlightenment, that “discourse among friends” (still the best definition of what the Enlightenment means), has served as the beacon for the values of the United States from the beginning. Has the beacon been extinguished?
What happened? How have fear, hate, prejudice and distrust become the driving forces in such a large portion of the American population, at least of the millions who went out and voted for Trump? Later on in my obituary I’ll develop some thoughts about the genesis of Trumpism. I do know that these millions have betrayed the fundamental principles of the country. The problem is not Donald Trump, of course. The problem is the millions who voted for him.

Fascism in its many forms and variations is on the rise worldwide. What the media call “populism” is nothing other than the incipient stirrings of a grassroots-movement in increasingly larger sections of the population that heads toward a totalitarian society. In the history of the United States in the former century there were fascist movements – Huey Long in the thirties, Joe McCarthy in the fifties and George Wallace in the sixties. (I’ll talk about the Tea-Party movement later.) None of these movements had a long duration and none of them a lasting effect on the American body politics. Even McCarthyism that was so virulent during the “red scare” wilted in time in the face of the underlying tradition of a liberal society, a society that welcomes and needs an open discussion without fear of reprisal. With Trumpism fascism has gained entrance into the political arena on the highest level. It represents a real danger for the future of the country, in a dimension that earlier movements did not attain. I am not claiming that Trump himself is a fascist. As far as one can tell he is not anything; he stands for nothing and believes in nothing, expect Trump. His campaign however played upon fascist elements, as I will list below. That is the danger. He bought fascism out of the closet and made in for many people socially and politically acceptable. Trumpism is the beginning; it has opened the gate.
Trump was elected in a free election. Free elections, however, are not the basic element of a democracy. More fundamental are the balance of power in the government, the rule of law (for example an independent judiciary), respect for the rights of minorities and free speech. It is revealing that during the campaign Trump attacked in one form or another all of these fundamental principles. But: he was still elected! History has shown many examples of democracies that turned into mobocracies and then dictatorships. Is the American democracy strong enough to withstand a Trump presidency?

A look at Trump’s election campaign reveals how well he played the fascist card. So many elements of the fascist ideology like extreme nationalism, distrust und fear of everything foreign, strange or not part of the mainstream, emphasis on masculinity, the threat to use force to solve problems (the John-Wayne-Syndrome), simplistic solutions to complex issues, the feeling that everything was better “in the old days” (“Make America great again”), suspicion of experts and intellectuals as well as the yearning for a strong leader, who will make everything right, were consistent elements of the Trump campaign. Combine them with his personality – narcissist, vindictive and intolerant then you have the ideal leader for a populistic movement, a real demagogue. Like the Pied Piper of Hameln, who was able to get the rats in the town of Hameln to follow him by using his magic pipe.
Why did they follow him?

“The only thing we have to fear is fear itself” – these words of Franklin Roosevelt are still relevant today. The problem seems to be, that no one wants to hear them. It appears that many Americans have lost faith in themselves and in their country to deal with the challenges of a global world. Too many have the feeling they are losing out and falling behind, particularly in the white middle class. But even so, why follow a Pied Piper named Donald Trump? In its history the United States has endured much more serious crises than this. The Civil War, for example. Or the Great Depression. And answered the challenges without giving up its most sacred values.

Following are my thoughts about the background of Trumpism and my own personal assessment of the 2016 election.
In my opinion the roots of Trumpism are to be found in the return of God into politics and the failure of American politics and society to come to grips with the repercussions of globalism.

Jimmy Carter (1976-1980) was the first President who claimed to be a born again Christian. Since then religion has come to play a greater role in politics in sharp contrast to the secular ideals on which the country was founded. Christianity became not just a private choice but a public issue. Christian Fundamentalism raised its ugly visage and began to make its influence felt in the political discourse. Issues like sexual preference and abortion became so charged with extreme emotional elements that it has made any reasonable debate impossible. It has come so far that clinics who perform abortions are subject of terrorist attacks. When a religion plays a deciding role in public affairs it takes over the function of an ideology for its believers. It claims to possess the truth, and that makes it dangerous. The roots of the Tea-Party movement are to be found in this social milieu of white middle class Americans, largely in rural areas, who feel endangered, a milieu that fears and hates the dynamics of a modern, global society. The Tea-Party is clearly a fascist movement. Up to now it has been contained on the fringes of national politics. Very loud, but not that influential. It has, however, succeeded in infusing a new level of intolerance and hate into the political discourse, a result of which is apparent in the venomous rightwing attacks against Barack Obama (socialist, Muslim, not an American citizen , etc.). Christian fundamentalism has found a welcome enemy in the global world – Islam. These people really believe in the Clash of Civilizations (Samuel Huntington, 1996). Fundamentalism can only flourish in an atmosphere of hate and fear.

The election of Donald Trump, whose style panders to all rightwing extremists groups, could create a corridor for the Tea-Party to infuse its ideology into national policies. It appears Trump plans to appoint prominent representatives of the movement to national offices. Things are going to get a lot worse, before they get better. Are they even going to get better?

Between 1945 und around 1990 the world seemed rather easy to explain. On the one hand there were the “Democracies” (?) of the West and on the other hand Communism, specifically the UdSSR. Sure, there was also the so-called Third Word, but no one in power took these countries seriously, except to exploit their resources. Things have changed, radically. The USA, as the only remaining “world power”, was faced with a new, almost impossible task – the “world policeman”. It has largely been a history of failure and setbacks. No need to go into the whole history here. Suffice to point to the bungling in the Near East – the Bush war against Iraq for example – has made the world – and the USA – less safe (to say the least). The USA has through its international politics contributed to the spread and strengthening of Islamic fundamentalism and terrorism worldwide. By claiming to fight a “war on terrorism”, an absurd concept in any case, the USA helped create its own enemy. Terrorism has changed the nature of conflict in the world. Every time you get on an airplane, every time you use public transportation or go to the movies or the disco – you are putting yourself in a position of increased danger. Fear is just a small step away. In the USA 9/11 has become a symbol for this new feeling. That date is still a scar on the American consciousness; fear and paranoia are the result.

The new global world and its affiliate, the internet, have led to a massive international migration. People are fleeing by the millions from poverty and hopelessness in the “developing countries” , from the many civil wars in failed countries in the Near East and Africa. They are showing up on the door steps of Western Europe and the USA. National borders don’t seem to have any impact anymore, the people just keep coming; the millions of refugees are difficult to accommodate and integrate. National governments are in a quandary; they have no real answers to the origins of the worldwide migration. This has led to fear and insecurity. The middle class in particular feels threatened and in many ways forgotten.

It appears that the consequences of globalization has worn down, unsettled and disheartened the traditional core of American society – the white middle class. Many of these people don’t look with optimism in the future. They are ripe for a demagogue like Trump, who claims he will lead them out of the valley of frustration and back to a time when “America was great”.

Here is my very personal take on the election. It was in 2015 as I was visiting my family in Cumberland, Wisconsin that I first saw Donald Trump on television. He was coming down an escalator into a ballroom to announce his candidacy for the President of the United States. First he said he was very rich and then he meandered aimlessly through some issues, at one point calling Mexican immigrants rapists and criminals. He wanted to build a wall along the Mexican border, which the Mexican government was going to pay for. I assumed it was all a satire and a joke. The many comedy news shows in the USA – Jon Stewart, Steven Colbert, John Oliver, Samantha Bee – had a field day in the following months. We all laughed a lot that fall. The American people could not be that dumb as to elect an obvious charlatan. We were wrong and P.T. Barnum was right: There is a sucker born every minute.

By the time I went back to visit in spring of this year the laughing was becoming more cynical. It appeared that Trump was going to be the Republican nominee and there was a chance he could be the next President of the United States. I began to get worried after getting to know the media landscape in the USA and talking with some people. Many people (white males who lived in rural Wisconsin) were determined to vote, some for the first time in their lives. Trump had motivated them. That worried me. It didn’t matter what he said or did. It was his personality that attracted them. He seemed to be Anti-Establishment, a candidate that broke every taboo. These people wanted to get even for something they could not really define. They felt endangered, but they didn’t know from what. Washington D.C., Mexican immigrants, Islam, China, people with color, Gays, Barack Obama? And now they felt suddenly empowered. Trump brushed off all attacks. In one campaign appearance he said he could shoot someone and it would have no effect on his popularity. That turned out to be the truth. One of the few true things Trump said during the campaign. His followers – and there were getting to be more and more of them – didn’t really care what he said and did. The only message was: Trump. Molesting women at will; making fun of gays and people with handicaps; denigrate people of an Islamic faith; brag about not having to pay federal income taxes – isn’t that something we’ve secretly all wanted to do? (I hope not.) With Trump you could let it loose. Let your belly do your thinking.

The television and general media culture in the USA scared me; Trump is a product of that culture. There are hundreds of TV-channels, each worse than the next. The dumbing down of America reveals itself most clearly in the electronic media. It is omnipresent. Everywhere you go there are televisions. And they are of course supplemented by the digital world with internet, tweets, apps and all of the rest. This plethora of information has apparently wiped out the difference between fact and fiction. You can say anything and everything – and no one bothers checking it. What is the truth, and what are lies? Who cares? After you have been in the USA awhile you realize that Trump is not really that much of an exception. You can find his type of character and language all over the media. The American culture is producing small scale Trumps on a daily basis, like a factory assembly line. I guess the American people have come to accept that as normal. Reality-TV for example, that is – it is hard for me to even write this – very popular. I was appalled when I watched a show the first time. (We don’t have a television set in Germany, so I don’t know if there is something similar to Reality-TV in Germany. I hope not.) Shallow and just simply stupid; a reality that is unreal. Trump is a product of Reality-TV. It is as if he has jumped out of the television set into the real world and acts as if he is still playing a role in Reality-TV. And no one notices the difference. It’s frightening.

After my last visit in the States a couple of weeks before the election I felt the urge to read George Orwell’s 1984 again. Newspeak has arrived.

On the 8th of November 2016 America passed away. It was suicide. Rest in peace.

What can we do?

My words up to now have been bitter and perhaps in some ways unfair and overdrawn. I can only say that I am still in shock and have to work it out somehow. Writing about it helps. I grew up in the Sixties, surely a time “that tried men’s souls” to paraphrase Dickens. It was a critical decade in American history. Tensions ran high – anti-Vietnam movement, Civil Rights movement, sexual revolution, assassinations of national leaders, riots in the streets. The driving message of the Sixties was however – emancipation. It was a movement that looked to the future, which continued the fundamental values of the United States and took them to a new level. American society became more open, more diversified, more dynamic. Trumpism is the opposite. His movement wants to close the borders and close the society; it is grounded in fear, prejudice and distrust; it looks backward to a fabricated past, when things were allegedly “great”.

Although I had just declared the passing away of the United States that was only meant rhetorically. I believe and I hope that the American democracy is powerful enough to get over Trump.
How?

His policies have to be confronted on every level and in every way possible. It must be made clear that Trumpism does not speak for what America stands for and means. That there is another America that holds true to the tradition of the Enlightenment. The voices of reason, humanity and tolerance must ring loud and clear.

Trumps policies – as far as they are known – will lead to serious problems in foreign and domestic affairs. The world is going to be a lot less safe in the future, and it is already far from safe at the present. The national and possibly the world economy will suffer a setback. Trump’s message of protectionism will only make the global economy more unstable. Global capitalism cannot be dealt with on a national scale; borders mean nothing to the flow of goods, money. ideas and services. The neoliberal doctrine of the 1980s (for example the deregulation of the financial markets) helped turned capitalism into the global monster it is today that devours everything, eventually, in the course of time, even itself. Karl Marx saw it coming over 150 years ago. It cannot be dealt with through policies of isolation (“America first”) and erecting higher walls. The monster can only be contained and domesticized through concerted international measures. We need strong international organizations, if we are going to have any chance at all of getting through the next 100 years. Germany, as do other countries in Western Europe, has a long and successful tradition of “social democracy” (a method of trying to contain the monster) since the Second World War. The Common Market (which is unfortunately under attack from national populist movements) is an attempt to raise this tradition to a supra-national level. What we need is a world-wide Common Market with the respective international organizations to enforce the rules. I know, I’m dreaming. “… but I’m not the only one. Someday you’ll join us and the world will live as one.”

The people who voted for Trump will come to realize that he is not able to do anything to help their lot. His campaign promises are largely unfulfillable. When they do, it could get very serious.

Trumpism does not necessarily mean the end of the American democracy, not by far. Trumpism is, however, a very clear warning that nothing is set in stone. It is up to each generation to set forth the tradition and values that were propagated in 1776. My generation seems to be dropping the ball.

In one of her speeches during the campaign Michelle Obama declared the meaning of the election in a simple but elegant question: What kind of country do we want to live in? The American people voted for a country of fear, hate, prejudice and distrust.

Count me out.


 

120 Teilnehmer*innen auf der größten Plattform in Norddeutschland zur länderübergreifenden Vernetzung und Auseinandersetzung zum Thema "Rechtsextremismus"

Dr. Jörn Hauschild, Oberstaatsanwalt vom Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof, berichtet über die Arbeit zur Rechtsextremismusbekämpfung

Lecia Brooks vom Southern Poverty Law Center (USA) beschreibt in ihrem Workshop "The Marches Continues" aktuelle Aktivismusformen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wie "Black Lives Matter"

8. Regionalkonferenz Rechtsextremismus und Demokratieförderung in Wismar

120 Teilnehmer*innen auf der größten Plattform in Norddeutschland zur länderübergreifenden Vernetzung und Auseinandersetzung zum Thema "Rechtsextremismus"

Am vergangenen Wochenende trafen sich in Wismar rund 120 Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, aus Wirtschaft, Kirche, Gewerkschaften, sozialen Verbänden und aus der Friedensbewegung zur 8. Regionalkonferenz Rechtsextremismus im Zeughaus in Wismar, um sich zu aktuellen Themen und Entwicklungen unter fachkundiger Anleitung zu informieren, sich miteinander über die gemeinsame Arbeit gegen Rechtsextremismus auszutauschen und alltagsnahe Strategien gegen die Abwertungsideologien der extremen Rechten zu entwickeln.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien in der Bundesrepublik und in Europa lag in diesem Jahr ein Schwerpunkt der Konferenz auf der Reflexion dieses Sachverhaltes. Ursachen und Erscheinungsformen, die den europäischen Kontext einschlossen und auch Themen wie den zunehmenden antimuslimischen Rassismus umfassten, wurden in mehreren Workshops intensiv bearbeitet. Im Fokus des Themas „Rechtsextremismus“ standen vor allem die rechten Unterwanderungsstrategien in bürgerliche Organisationsstrukturen, die einen Kameradschaftscharakter haben, wie zum Beispiel Feuerwehren, das Phänomen der "Reichsbürger", aber auch die Betrachtung völkischer Strukturen in der rechten Szene unter dem Aspekt der Sektenforschung, die für viele Teilnehmer*innen einen großen Erkenntnisgewinn brachte.

Bereits zum zweiten Mal richteten die "Demokratiescouts" des Vereins Miteinander leben e.V. einen Jugendworkshop aus, der sich mit „Identitätsbildung und Radikalisierungstendenzen bei Jugendlichen“ befasste. Das Organisationsteam, bestehend aus dem RAA-Regionalzentrum für demokratische Kultur in Westmecklenburg, dem Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Lübeck, dem Ratzeburger Bündnis und dem Verein Miteinander leben e.V. , freute sich besonders über den Besuch der afroamerikanischen Bürgerrechtlerin Lecia Brooks vom Southern Poverty Law Center (USA), der mit Unterstützung des US-Generalkonsulats in Hamburg ermöglicht wurde. Mrs Brooks leitete einen englischsprachigen Workshop zum Thema "Aktuelle Aktivismusformen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung". Dr. Jörn Hauschild, Oberstaatsanwalt vom Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof , stellte zudem im Rahmen eines Begrüßungsvortrages die Arbeit des die Generalbundesanwaltschaft auf dem Gebiet der Rechtsextremismusbekämpfung vor.

Auch in ihrem vierten Jahr zeigte sich die "Regionalkonferenz Rechtsextremismus und Demokratieförderung" als größte Plattform in Norddeutschland zur länderübergreifenden Vernetzung und Auseinandersetzung mit Themen wie Rassismus, Rechtspopulismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF). Mehr als 1.000 MultiplikatorInnen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden so bereits im Bereich der Demokratiestärkung fortgebildet. Der Erfolg dieses Formats zeigte sich auch in dem Willen aller Teilnehmer*innen, die gemeinsame Konferenzarbeit im kommenden Jahr fortzusetzen, um so die Vernetzung gegen Rechtsextremismus weiter zu intensivieren und vor allem "am Ball zu bleiben" bei einer Szene, die sich rasant zu wandeln versteht.


 

Kurt Edler, Vorsitzender der Gesellschaft für Demokratiepädagogik, diskutiert mit rund 60 Lehrkräften, Sozialpädago*innen und angehenden Erzieher*innen über „Werte- und Kulturkonflikte in der Schule der Einwanderergesellschaft“ im Berufsbildungszentrum in Mölln

„Werte- und Kulturkonflikte in der Schule der Einwanderergesellschaft“
Kreisweite Lehrerfortbildung stieß auf große Resonanz

Schule steht immer im permanenten Wandel, sei es durch den Reformeifer der Bildungspolitik oder im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen. Doch bestimmen gerade die Umbrüche in unserer Gesellschaft zunehmend das Tempo dieses Wandels und die damit verbundenen Herausforderungen für Schulleitung, Lehrkräfte, Schüler und Eltern gleichermaßen. Globalisierung, digitale Innovationen, Flucht- und Migrationsbewegungen, selbst politischer Extremismus und der internationale Terrorismus machen vor den Schultüren nicht halt. Dabei öffnen sich im Schulalltag viele Bildungschancen, aber es entstehen auch große Herausforderungen, auf die Schule immer wieder eine Antwort finden muss, um Schüler*innen einen möglichst festen Stand in dieser sich wandelnden Gesellschaft zu geben. Dabei spielt die Wertevermittlung eine zentrale Rolle. Diese Botschaft vermittelt Kurt Edler, Vorsitzender der Gesellschaft für Demokratiepädagogik, seit vielen Jahren im gesamten Bundesgebiet und mahnt in den Schulen eine „Grundgesetzklarheit“ in allen Bereichen der Schule an. So auch im Rahmen von zwei Fortbildungsveranstaltungen am Berufsbildungszentrum in Mölln und der Alfred-Nobel-Schule in Geesthacht, die auf Einladung des Vereins Miteinander leben e.V. und mit Unterstützung der „Demokratiepartnerschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg“ angeboten werden konnten.

Rund 80 Pädagog*innen , Sozialpädagog*innen, Schulsozialarbeiter*innen sowie angehende Erzieher*innen folgten den Ausführungen Kurt Edlers zur gesellschaftlichen Lage der Welt und den sich daraus ableitenden Bezügen für den schulischen Alltag, in dem sich zunehmend auch die ungelösten Probleme einer sich weiter politisierenden Erwachsenwelt widerspiegeln. Radikalisierungsprozesse, die auch im Klassenzimmer sichtbar werden, Extremismus, der dort seine Äußerungen finden, Ängste vor einer Welt, deren Veränderungen kaum mehr fassbar sind, sind längst Teil des Unterrichts geworden und fordern Schule heraus, auf Werte- und Kulturkonflikte zu reagieren. Edler skizzierte anhand zahlreicher Fallbeispiele aus seiner aktiven Zeit im Hamburger Schuldienst, auf welche Konfliktlagen sich zeigen können.

IS-Symbolik auf Schülersmartphones, rassistische Auseinandersetzungen auf dem Schulhof, extremistische oder religiös begründete Provokationen im Unterricht fordern die Lehrer*innen und Sozialarbeiter*innen zur Stellungnahme. Eine Stellungnahme, die, so Kurt Edler, nur aus einer eigenen Wertesicherheit erfolgen kann, die er mit dem Begriff der „Grundgesetzklarheit“ umschreibt. „Die Bearbeitung von Werte- und Kulturkonflikten im schulischen Alltag kann nur Gelingen, wenn wir dies „kleine Büchlein“, unser Grundgesetz, präsent und verinnerlicht haben als eigenen Wertekompass.“

Dies gelte, so Edler, nicht nur für die Unterrichtsbereiche, in denen Politik oder Religion eine Rolle spiele. Auch Kunst- oder Sportlehrer*innen können in solche Konfliktlagen geraten und müssen diese meistern können. Dabei muss Schule aber auch ihre Grenzen kennen und wissen, wann der pädagogische Rahmen überfordert ist. Öffentlich gezeigte IS-Symbolik auf dem Smartphone ist eine Straftat und damit auch ein Fall für die Sicherheitsbehörden. Hier müssen alle Beteiligten einschätzen können, wann dieser Weg zwingend einzuschlagen ist, ein Schritt, der sehr schwerfallen kann, gerade auch im Eingeständnis, pädagogisch nicht mehr weiter zu kommen. Doch Edler machte gerade im praktischen Teil seiner Ausführungen Mut, sich diesen Werte- und Konfliktlagen zu stellen und gab viele Anstöße für konkrete Lösungsmöglichkeiten, die von den Seminarteilnehmer*innen mit großem Interesse ausprobiert und aufgenommen wurden.

Als wichtiger Ansprechpartner gerade in diesem Kontext und gerade auch für Schulen und Jugendeinrichtungen stellte sich zudem die Beratungseinrichtung PROvention aus Kiel vor. PROvention ist das Landesprogramm gegen religiös begründeten Extremismus in Schleswig-Holstein. Es wurde im April 2015, finanziert vom Innenministerium des Landes und unter der Trägerschaft der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein (TGSH), ins Leben gerufen. Das Team von PROvention berät Angehörige, Freund(e)_innen und Bekannte von Personen, die von Radikalisierung oder Extremismus betroffen sind. Auch Ausstiegswillige können die Beratung nutzen. Diese erfolgt kostenlos, vertraulich sowie einzelfall- und lösungsorientiert. Darüber hinaus werden öffentliche Vorträge und Weiterbildungen angeboten. PROvention ist über eine Beratungshotline zu erreichen unter 0431/ 73 94 926.


 

Dr. Udo Metzinger führt kenntnisreich in das politische System der USA ein.

Dr. Udo Metzinger führt kenntnisreich in das politische System der USA ein.

PRESSEMITTEILUNG des Vereins Miteinander leben e.V.

Amerika hat die Wahl – Politisches Bildungsseminar in Mölln wagt Wahlprognose zum Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl

Interessante Einblicke in das für europäische Verhältnisse durchaus fremdartige amerikanische Wahlsystem sowie zum laufenden Präsidentschaftswahlkampf konnte Politikwissenschaftler Dr. Udo Metzinger auf dem Sommerseminar "Amerika hat die Wahl" in der politischen Bildungsreihe "Demokratie leben" des Vereins Miteinander leben e.V. einem sehr interessierten Teilnehmerkreis in der Internationalen Begegnungsstätte "Lohgerberei" Mölln geben und mit ihnen intensiv diskutieren.

Dabei galt es zunächst einmal, sich von bekannten Begrifflichkeiten zu lösen, die im eigenen politischen Wissen selbstverständlich sind, aber vielfach falsch auf die politische Kultur Amerikas übertragen werden, die doch vermeintlich so ähnlich erscheint. So sind Parteien in den USA, bei weitem keine Parteien im europäischen Verständnis, mit fester Programmatik und Struktur, mit Fraktionszwängen in den Parlamenten. Es sind vielmehr nur Wahlplattformen, die den jeweiligen Kandidaten in seinem Wahlkampf unterstützen sollen, ihn aber nicht wirklich binden können. Ein Abgeordneter im amerikanischen Repräsentantenhaus orientiert sich bei seinen Entscheidungen ausschließlich an den Interessen der Wähler*innen seines Heimatstaat als an irgendwelchen Vorgaben der Partei. Schließlich ist ihm bewusst, dass er dort in direkter Wahl in sein Mandat gewählt und nicht über eine Parteiliste bestimmt wird. Auch die Form des Wahlkampfes, aus europäischer Sicht sehr gnadenlos, sehr persönlich, mit ungeheurem Mitteleinsatz geführt, wurde nachvollziehbar erläutert mit dem beherrschenden Prinzip des "The winner takes it all", das wirklich nur den Sieger kennt. Ein aus amerikanischer Sicht erstrebenswertes Ideal, gerade wenn es um das mächtigste Amt der Welt geht. So sind die Vorwahlen in der Tat als "Feuertaufen" zu verstehen und sollen vor allem jene scheitern lassen, die sich nicht mit genügend Härte und Durchhaltevermögen durchsetzen können.

Auf Basis all dieses notwendigen Wissen über das politische System der USA, dass Dr. Udo Metzinger sehr kenntnisreich vermitteln konnte, wagten sich die Teilnehmer*innen im zweiten Teil an eine Prognose zum Ausgang der Präsidentschaftswahl, zwischen dem jetzt, wie erwartet, nominierten Kandidaten der Republikaner, Donald Trump und der ersten weiblichen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton, die das "Ticket" der Demokraten gewonnen hat. Aktuelle Wahlanalysen, Auswertungen von vergangenen Präsidentschaftswahlen, tradiertes Wählerverhalten und die Bedeutung der sogenannten "Swing States" oder auch "Battleground States", jene Bundesstaaten, in denen traditionell keine der Parteien eine gefestigte Vormachtstellung hat, wurden bewertet und diskutiert, um Ergebnis doch einen deutlichen Favoritenstatus für Hillary Clinton festzustellen. Die Kandidatin der Demokraten hat zumindest von den Voraussetzungen mehr Stimmen von der weiblichen Wählerschaft zu erwarten, die zudem auch eine höhere Wahlbeteiligung ausweist, und ebenso mehr Stimmen von den jungen Wählern sowie von den bedeutenden Minderheiten, wie den Afroamerikanern oder den Latinos. Hier hat Trump, zum Teil selbstverschuldet durch sein populistischen Auftreten, kaum Bezüge knüpfen können. Er kann sich eher auf jene weiße, sich zunehmende abgehängt sehende Mittelschicht sowie die älteren weißen Wähler verlassen, die einerseits um ihren Besitzstand fürchtet und andererseits den "American Dream" nur rückwärtsgewandt und in weiß träumen wollen. Allerdings sind ihm wichtige Stammwähler der konservativen Republikaner, insbesondere viele evangelikale Christen, nicht gewogen, gilt ihnen Donald Trump doch nicht als bibelfest und gottesfürchtig. Durchaus schwierige Bedingungen also für den Kandidaten Trump.

Damit das Rennen als gelaufen zu betrachten, davor warnte Dr. Metzinger aber in seinem Resümee sehr deutlich. "Schon die Vorwahlen", so Dr. Metzinger, "haben gezeigt, dass vieles anders geworden ist in dieser zutiefst gespaltenen Gesellschaft, in der sich auch so viel Misstrauen gegen über dem Establishment in Washington aufgebaut hat. Gerade dafür aber steht Hillary Clinton so sinnbildlich." Die Frage wird sein, ob sie trotz ihrer Unpopularität den richtigen Zugang zu den Menschen findet, gegen einen schamlos populistisch agierend Donald Trump. Amerika hat also die Wahl ... eine in vielerlei Hinsicht Richtungsweisende, auch für Europa.


 

Dr. Udo Metzinger

"TTIP-Kritik" in der Diskussion

Dr. Udo Metzinger diskutierte mit TTIP-Gegnern im Rahmen eines politischen Bildungsseminars

Was ist wirklich dran an der allenthalben zu hörenden TTIP-Kritik, die sich auch im Rahmen eines einführenden Vortrages von Dr. Reinhard Crusius im Ratzeburger Ratssaal unter 90 Besuchern vor einigen Tagen so facettenreich äußerte? Dieser Fragestellung ging Politikwissenschaftler Dr. Udo Metzinger zusammen mit 15 Teilnehmer in einem von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderten politischen Bildungsseminar der Reihe „Demokratie leben“ einen ganzen Samstag in den Räumen der Internationalen Begegnungsstätte „Lohgerberei“ in Mölln nach. Vier Themenblöcke standen dabei im Fokus fundierter Informationsvermittlung und intensiver Diskussion, so „TTIP, Globalisierung und Freihandel aus geopolitischer und geoökonomischer Perspektive“, „Der TTIP-Widerstand - Ursachen und Inhalte einer Bürgerbewegung“, „Die Argumente der TTIP-Gegner und deren Berechtigung - ein Faktencheck“ und abschließend „Quo vadis TTIP? - Perspektiven für die nächsten Jahre“.

Dr. Metzinger nahm im Seminar als Referent bewusst die Haltung eines TTIP-Befürworters ein, da sich die Seminarteilnehmer*innen durchweg als TTIP-Gegner charakterisiert hatten. Nach den jeweils einleitenden Informationsblöcken entspann sich eine sehr intensive Diskussion, aus der heraus die Teilnehmer*innen ihre Argumentationslinien im Austausch mit dem Dozenten messen konnten, aber auch mit den Sachinformationen im Einklang bringen mussten.

Gerade auf dieser Sachebene zeigten sich bei den Teilnehmer*innen durchaus Wissenslücken im Bezug auf die Verhandlungsinhalte des TTIP, auf die durchaus sehr kritische TTIP-Haltung in den USA und vor allem auf die Verhandlungsrolle der EU, die für 28 Nationalstaaten auf Grundlage des EU-Vertragswerkes mit den USA verhandelt. So war wenig bekannt, dass im EU-Vertragswerk grundsätzlich immer Ausstiegsklauseln für die europäischen Nationalstaaten hinsichtlich gemeinsamer Regelungen oder Abkommen gelten, wenn diese mit nationalstaatlichen Interessen nicht in Einklang zu bringen sind. Diese, so Dr. Metzinger, würden auch bei einem von der EU verhandelten Freihandelsabkommen immer wirksam bleiben, weil sie rechtsverbindliche Elemente des Vertragswerkes seien. Diese Ausstiegsklauseln werden im übrigen gerade in den US-Bundesstaaten sehr kritisch gesehen. Während jedes Land der EU sich von Regelungen des TTIP ausnehmen kann, die es nicht mitragen will, steht diese Möglichkeit den US-Bundesstaaten nicht offen.

Auch die rechtliche Form von TTIP wurde von der überwiegenden Teilnehmerzahl als völkerrechtlicher bindender Vertrag klassifiziert, während es lediglich ein internationales Abkommen sein soll, genau wie die über 180 anderen Freihandelsabkommen, welche die EU in den vergangenen Jahrzehnten ausgehandelt hat und die nicht im Fokus öffentlicher Diskussion standen. Die Ausblicke zum Zustandekommen des Vertragswerkes gingen in der Diskussion deutlich auseinander. Seitens der Teilnehmer*innen wurde die Meinung vertreten, dass insbesondere die multinationalen Unternehmen beiderseits des Atlantiks dieses Abkommen in Eigeninteresse durchsetzen wollen. Dr. Metzinger hielt dem entgegen, dass zahlreiche Akteure der politischen Klasse der USA sich allerdings gegen TTIP aussprechen, so die republikanische Mehrheit im Kongress oder auch die Präsidentschaftskandidaten.

Bemerkenswert für viele Seminarteilnehmer*innen war überdies die geopolitische Perspektive, die Dr. Udo Metzinger ebenfalls in die Diskussion einführte. Er verwies dabei auf das aktuelle Entstehen einer multilateralen Weltordnung, die sich nach dem Ende der bipolaren Ära des Kalten Krieges und der temporären, USA-geführten unipolaren Weltordnung, die bis zu Beginn des neuen Jahrtausends reichte, jetzt etabliert. In dieser multilateralen Weltordnung sieht sich nicht nur das westliche, neoliberal geprägte Weltwirtschaftssystem zunehmend herausgefordert, sondern auch die westlichen Wertesysteme insgesamt, insbesondere durch die Initiative Russlands, das zusammen mit den BRICS-Staaten ein politisches und wirtschaftliches Gegengewicht aufbauen möchte. Im Kontext dieser geopolitischen Neustrukturierung der Weltordnung könne TTIP auch als Baustein gewertet werden, den Einfluss die Stabilität des westlichen Wertesystems unter der Führung der USA zu sichern. An dieser Sichtweise entspann sich eine intensive Diskussion, in der auch deutlich wurde, dass die Regierungspositionen Russlands nur wenig bekannt sind und teilweise unreflektiert gedeutet werden als natürlicher Reflex gegen eine vermeintliche amerikanische Expansionspolitik durch die NATO. Dr. Udo Metzinger schärfte am Beispiel der Ukraine-Krise den Blick, dass hier vielfach noch ein klassisches Ost-West-Denken mit antiamerikanistischen Zügen vorherrscht, während es sich um einen handfesten geopolitische Konflikt zwischen Russland und der EU und nicht den USAS handle.

Das Seminar konnte gerade über die vielen Diskussionen , denen sich Dr. Metzinger immer wieder sehr offen stellte, für alle Teilnehmer*innen neue Aspekte verdeutlichen, ohne dabei, ganz im Sinne von politischer Bildung, deren Überzeugungen in Frage zu stellen. Dies bleibt jedem Seminarteilnehmer selbst vorbehalten. Die intensive Lernatmosphäre und die respektvolle Diskussionsführung wurden von allen Teilnehmer*innen abschließend gelobt.

Im Juli wird Dr. Udo Metzinger noch einmal nach Mölln kommen, um gemeinsam mit politisch interessierten Menschen einen Tag über den aktuell laufenden Präsidentschaftswahlkampf in den USA zu diskutieren. Ein hochspannendes Sommerthema also, zu dem jetzt schon Anmeldungen möglich sind (www.demokratie.leben.eu).


 

Dr. Reinhard Crusius arbeitete viele kritische Fragen zum Thema TTIP heraus

(Fotos: Jens Butz)

Kritisches zum Thema "TTIP"

Großes Interesse am Vortrag von Dr. Reinhard Crusius im Ratzeburger Ratssaal

Auf deutlich mehr Interesse als erwartet stießen der Verein Miteinander leben e.V. und die Volkshochschule Ratzeburg mit ihrem Vortragsangebot von Dr. Reinhard Crusius zum Themenkomplex TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) im Rahmen der politischen Bildungsreihe „Demokratie leben“ am vergangenen Donnerstag. Mit rund 90 Besuchern füllte sich der Ratzeburger Ratssaal zur Freude der Veranstalter bis auf letzten Platz.

Ökonom Dr. Crusius, Autor des Buches „Rettet Europa, nicht nur die Banken“, erläuterte in seinem rund zweistündigen Vortrag die geschichtliche Entwicklung des Freihandels und skizzierte dabei das stete Wechselspiel von Protektionismus und Liberalismus und die mit diesen Positionen verbunden Interessen. Wichtig war ihm dabei die Frage des „Cui bono?“ – „Wer profitiert?“ herauszuarbeiten, insbesondere in einer zunehmend global agierenden Wirtschaftswelt, in denen auf der inter- und transnationalen Ebene nicht mehr nur Staaten, sondern auch multinationale Konzerne als Akteure agieren und ihre Interessen vertreten. Die historische Perspektive, die ausgehend vom Merkantilismus Frankreichs, über der entstehenden „Manchester-Kapitalismus“ in Großbritannien und Adam Smiths „unsichtbare Hand“ des Wirtschaftens bis zu den Freihandelsregimen der Neuzeit, dem GATT (General Agreement on Tariffs and Trade), der WTO (World Trade Organization) und den regionalen Freihandelsabkommen wie der NAFTA (North American Free Trade Agreement) führte, erwies sich dabei als wichtig, um die Hintergründe und Inhalte von aktuell diskutierten Freihandelsabkommen einordnen und ihren neoliberalen Geist verstehen zu können. TTIP, das nordamerikanisch-europäische Freihandelsabkommen, CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) das kanadisch-europäisch Pendant und TiSA (Trade in Services Agreement), der geplante weltumspannende Dienstleitungsfreihandel, konnten in diesem Zusammenhang als Vertragswerke beschrieben werden, in denen wirtschaftsliberale Inhalte und Marktinteressen multinationaler Unternehmen völkerrechtlich verbindlich festgeschrieben werden sollen, erkennbar zu Lasten von demokratischen Strukturen in den Nationalstaaten.

Gerade am Beispiel von TTIP konnte Dr. Crusius zahlreiche Fragen aufwerfen, die diesen Zielkonflikt zwischen Demokratie und Ökonomie deutlich machen. So kritisierte er die Einrichtung von nichtöffentlich tagenden Schiedsgerichten zum Investorenschutz, in denen Unternehmen nicht nur ihre getätigte Investitionen gerichtlich gegen staatliche Eingriffe absichern und auch Schadensersatz einklagen, sondern dabei auch entgangene Gewinne in der Zukunft geltend machen zu können. Hier werde, so Crusius, eine Gerichtsbarkeit für Wirtschaftsfragen parallel zu einem funktionierenden Gerichtswesen installiert, in denen maßgeblich, rechtsstaatliche Komponenten, wie Öffentlichkeit, Unabhängigkeit und Revisionsmöglichkeit nicht umfänglich gegeben sind. Bereits heute sind mehr als 30 Klageverfahren bekannt, in denen in dieser Weise Unternehmen Staaten in Milliardenhöhe zu belangen versuchen, weil zum Beispiel per Gesetz Umweltstandards angehoben wurden, die zukünftige Gewinnmargen der Unternehmen schmälern. Crusius kritisierte aber auch, dass in den Verhandlungen von TTIP Umwelt- und Sozialstandards auf einem Status Quo festgeschrieben werden sollen. Niemand, so die offizielle Lesart, soll sich in diesen Standards verschlechtern. Dies klingt zunächst beruhigend, so Dr. Crusius, bedeutet aber auch, dass diese Standards nicht mehr verbessert und angehoben werden können, wenn zum Beispiel die Wissenschaft neue Erkenntnisse zur Giftigkeit von Stoffen ermittelt. Ebenso wies er auf die Problematik hin, dass beide Verhandlungspartner zwar das Recht haben, bestimmte Bereiche aus den TTIP-Verhandlungen auszuklammern. So schützt Frankreich beispielsweise die eigene Filmindustrie. Diese sogenannte Negativliste wird aber nur einmal erstellt. Alle zukünftigen Entwicklungen in der Wirtschaft- und Arbeitswelt, im Bereich des Datenschutz oder den Umweltstandards bleiben unberücksichtigt und werden somit völlig den Entwicklungen des liberalisierten Marktes preisgegeben. Schließlich stellt TTIP auch Zuständigkeiten in Frage, die bis auf die kommunale Ebene hinunterreichen. Was darf der Staat zukünftig als hoheitliche Aufgabe noch finanzieren, beispielsweise im Bereich von städtischer Daseinsvorsorge wie Ver- und Entsorgung, Kultur oder Bildung und was muss er dem Markt überlassen. Auch hier drohe eine neoliberale Verschiebung zu Gunsten von Wirtschaftsinteressen, so Dr. Crusius.

In der sich anschließenden Diskussion mit einem offensichtlich sehr gut informierten und kritischen Publikum, wurde noch einmal deutlich, woran sich der zunehmende Widerstand an TTIP, CETA und TISA entzündet. Es geht nicht um die Frage, ob sich das eher sozialliberal orientierte Wirtschaftsmodell der EU oder das marktliberale Wirtschaftsmodell der USA durchsetzt. Es geht um die Frage, welche Macht, auch politische Macht, multinationale Unternehmen, die in der EU wie in den USA das gleiche neoliberale Interesse haben, über diese Abkommen im Verhältnis zu den demokratischen Strukturen der Staaten und gegenüber klein- und mittelständischen Betrieben sowie den Lohnbeschäftigten auf beiden Seiten des Atlantiks bekommen. Vor allem geht es aber auch um die Frage, warum die zunehmende Kritik seitens der Bevölkerung in den Medien kaum Widerhall findet. 250.000 Menschen versammelten sich im Oktober 2015 in Berlin zu einer Demonstration gegen TTIP. Diese größte Demonstration in der bundesdeutschen Geschichte war für viele Medien nur eine Randnotiz. Solches Unbehagen am Verhandlungsprozess spiegelte sich in zahlreichen Wortbeiträgen und wird sich auf der nächsten Großdemonstration in Hannover am 23.04.2016 wieder zeigen.


 

Dr. Udo Metzinger

Reinhard Crusius

Reinhard Crusius,
geboren 1941 in Gütersloh; viele Jahre Arbeit als Schriftsetzer; Studium über Zweiten Bildungsweg in Hamburg; Diplom-Volkswirt, Dr. rer. pol.; Habilitation an der TU Berlin. Diverse Aufsätze, Rundfunkbeiträge und Veröffentlichungen.

Foto: Jan Precht, Hamburg

 

Politische Bildungsreihe "Demokratie leben" lädt zur Diskussion über TTIP

Der Verein Miteinander leben e.V. startet seine politische Bildungsreihe „Demokratie leben“ in diesem Jahr mit einem politisch sehr umstrittenen Thema, dem in vielerlei Hinsicht eine große Einflussnahme auf unser zukünftiges Alltags- und Arbeitsleben zugeschrieben wird: TTIP, das europäisch-nordamerikanischen Freihandelsabkommen.

Umso wichtiger ist es, dass darüber ausgiebig diskutiert und gestritten wird und zwar nicht nur hinter verschlossen Türen am Verhandlungstisch zwischen den Vertreter*innen Europas und den USA, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit. 250.000 Menschen demonstrierten vor kurzem eindrucksvoll in Berlin, dass sie in diesem politischen Prozess auch eine Stimme und vor allem Zugang zu Informationen über die Verhandlungen haben wollen.

Aber auch im ländlichen Raum muss es die Möglichkeit für diesen kritischen Diskurs geben und so wird der Verein Miteinander leben e.V. im März gleich zwei Veranstaltungen zum Thema TTIP anbieten. Den Auftakt wird der Hamburger Ökonom und TTIP-Kritiker Dr. Reinhard Crusius, Autor des Buches "Rettet Europa, nicht nur die Banken" im Rahmen eines Vortrages am 03.03.2016 um 19:00 Uhr im Ratssaal der Stadt Ratzeburg setzen. Unter dem Titel „TTIP - Droht Europa der Ausverkauf von Sozial- und Umweltstandards durch die Hintertür?“ geht Dr. Crusius der Frage nach, was bei TTIP eigentlich verhandelt wird und ob Europa sich dabei dem amerikanischen Wirtschaftsmodel öffnet? Um die Folgen von TTIP einzuschätzen, schaut er auf bereits bestehende Freihandelsabkommen und skizziert, wer davon profitiert und wer verloren hat. Der Eintritt zum Vortrag, der in Kooperation mit der Volkshochschule Ratzeburg durchgeführt wird, ist frei. Kritische Fragen sind erwünscht.

Das Thema „TTIP“ vertiefend behandelt am 12.03.2016 Politikwissenschaftler Dr. Udo Metzinger im Rahmen eines Ganztageseminar in der Internationalen Begegnungsstätte „Lohgerberei“. In seiner Leitfrage „Die TTIP-Kritik - berechtigt oder aus der Mottenkiste des Anti-Amerikanismus?“ fordert Dr. Metzinger die Seminarteilnehmer zum intensiven Diskutieren auf, gerade auch aus amerikanischer Perspektive. Dort steht man dem Freihandelsabkommen ebenfalls sehr kritisch gegenüber, vor allem im Hinblick auf europäische Umweltstandards, die in vielen Bundesstaaten der USA keinen Bestand haben. Ein Misstrauen, dass auch der jüngste Automobilskandal zusätzlich befeuert. Anhand der vorliegenden Fakten sollen die Seminarteilnehmer*innen zu einer Bewertung kommen, ob die Kritik berechtigt ist oder doch nur der Mottenkiste des Anti-Amerikanismus entstammt. Die Teilnahme am Seminar ist kostenfrei, eine Anmeldung ist obligatorisch unter 04541-206726 oder miteinander.leben@t-online.de . Informationen zu weiteren Veranstaltungen der Reihe „Demokratie leben“ sind unter www.demokratie-leben.eu eingstellt.


 

Freude über die Anerkennung als Bildungsträger der Bundeszentrale für politische Bildung beim Verein Miteinander leben e.V.
(vl.) Antje Buchholz, 2. Vorsitzende und
Mark Sauer, 1. Vorsitzender

Verein Miteinander leben e.V. erhält Anerkennung als "Freier Träger der politischen Bildung" durch die Bundeszentrale für politische Bildung.

Rund zwei Jahre hat sich der Verein Miteinander leben e.V. in Mölln im Rahmen seiner politischen Bildungsarbeit unter dem Titel “Demokratie leben” bei der Bundeszentrale für politischen Bildung um die Anerkennung als “Freier Träger der politischen Bildung” bemüht und einem umfangreichen Prüfverfahren unterzogen. Umso größer war die Freude, als diese Anerkennung nach intensiver Prüfung jetzt für 5 Jahre gewährt und einer Aufnahme in die Bundesförderung zugestimmt wurde. „Als 'Freier Träger der politischen Bildung' können wir zukünftig unser politisches Bildungsprogramm über die jährlich bewilligten Bundeszuschüsse kontinuierlich ausbauen“, freute sich Vereinsvorsitzender Mark Sauer. „Davon wird auch die politische Bildungslandschaft des Kreises insgesamt profitieren, da unser Konzept eine enge Kooperation mit den Volkshochschulen in Ratzeburg und Geesthacht vorsieht.“, fuhr Sauer fort.

Erste Veranstaltungen in der Reihe „Demokratie leben“ sind für 2016 bereits fest geplant. So wird es im Frühjahr einen Themenschwerpunkt zum geplanten und durchaus umstrittenen europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommen TTIP geben. Ökonom Dr. Reinhard Crusius wird dazu am 03.03.2016 um 19:00 Uhr einen kritischen Vortrag unter dem Titel „TTIP - Droht Europa der Ausverkauf von Sozial- und Umweltstandards durch die Hintertür?“ im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses halten. Diese Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit der Volkshochschule Ratzeburg.

Am 12.03.2016 lädt Politikwissenschaftler Dr. Udo Metzinger ein, im Rahmen eines Ganztageseminars in der Internationalen Begegnungsstätte „Lohgerberei“ ganz im Sinne der Meinungsbildung intensiv zum Thema „Die TTIP-Kritik - berechtigt oder aus der Mottenkiste des Anti-Amerikanismus?“ zu diskutieren und auch zu streiten. Für beide Veranstaltungen gilt wie gewohnt „Eintritt frei!“.


 

Kurt Edler (re.), ehemaliger Mitarbeiter am Landesinstitut für Lehrerbildung in Hamburg, referierte im Rahmen eines Tageseminars in der Internationalen Begegnungsstätte „Lohgerberei“ Mölln zum Thema „Islamistischer Extremismus“

Kreisweite Vortrags- und Seminarreihe zum Thema "Islamistischer Extremismus" stieß auf große Resonanz.

Auf großes Interesse bei einem Fachpublikum aus Schule, Jugendarbeit, Verwaltung, Kirche und Politik, aber auch bei vielen interessierten Bürgerinnen Bürgern stieß im vergangenen Monat die Vortrags- und Seminarreihe des Vereins Miteinander leben e.V. zum Thema „Islamistischer Extremismus“, die in Geesthacht und Mölln in Kooperation mit dem Fachdienst Jugendschutz des Kreises Herzogtum Lauenburg und dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Kreis Herzogtum Lauenburg durchgeführt wurde.
Kurt Edler, ehemaliger Mitarbeiter am Landesinstitut für Lehrerbildung in Hamburg, beschrieb als fachkundiger Referent das Phänomen, welches seine mörderischen Erscheinungsformen vor allem im Nahen Osten oder Afrika entfaltet und zunehmend auch Europa bedroht, in seinen Grundzügen. Edler machte dabei deutlich, dass es bei dieser Form des Extremismus nicht, wie gerade die IS-Propaganda glaubhaft machen möchte, um Glauben und Religion gehe, sondern durchweg um eine Ideologie der Machtergreifung, die sich eines religiösen Deckmantels bedient. Dabei konnte er erstaunliche Parallelen zu anderen totalitären Weltanschauungen herausarbeiten, wie beispielsweise dem Nationalsozialismus. In beiden Weltanschauungen gibt es die Erzählung von einer glorreichen Vergangenheit, einer Demütigung durch einen übermächtigen Feind oder Besatzer und das Heilsversprechen einer Leitfigur, die als Führer oder Kalif die alte Weltordnung in einem heroischen Kampf wieder herstellen und dabei alle Feinde erbarmungslos ausmerzen wird. Edler warnte dabei eindringlich vor der Faszination, die auch in unserer Gesellschaft eine solche Ideologie auf junge, ungefestigte Persönlichkeiten ausübe, die sich selbst als Verlierer der Gesellschaft empfinden.
Aus seiner beruflichen Praxis heraus skizzierte Edler die Verläufe von Radikalisierungsprozessen, die ganz häufig unbemerkt von Elternhaus, Schule oder Moscheen verlaufe und am ehesten noch vom direkten Freundeskreis wahrgenommen werde. Edler mahnte, dieses Phänomen als gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu begreifen, auf die Sicherheitsbehörden ebenso reagieren müssten wie Schulen, Jugendeinrichtungen, Jugendämter, aber auch alle Religionsgemeinschaften. Denn gerade der perfide Missbrauch von Religion als totales und kompromissloses Machtinstrument droht Religionen als sinnstiftende Wertesysteme zu delegitimieren. Edler schloss mit dem Fazit, dass diese Form des Extremismus keinerlei Spielräume mehr für Dialog und Menschlichkeit lasse, wie sich nur Tage nach dem Seminar in Paris auf so grausame Weise zeigte. „Unsere Demokratie und ihre Werte“, zog Kurt Edler sein Fazit, „sind durch den islamistischen Extremismus bedeutend wie schon lange nicht mehr herausgefordert. Doch enthält unser Grundgesetz auch alles, um dieser Herausforderung zu begegnen, wie die unantastbare Würde des Einzelnen, die Religions- und Meinungsfreiheit und all die unveräußerlichen Menschenrechte.“
Insbesondere die Vertreter*innen von Schule und Jugendeinrichtungen, aber auch der Moscheevereine zeigten im Anschluss an die Vortrags- und Seminarreihe großes Interesse, das Thema auch im Sinne eines aktiven Jugendschutzes in ihren Einrichtungen zu vertiefen, um gemeinsam sensibel zu sein, wenn junge Menschen sich in dem Netz dieser Propaganda zu verfangen drohen. Zusammen mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Kreis Herzogtum Lauenburg möchte die Organisatoren auch im kommenden Jahr genau dort in präventiver Weise weiter machen.


   

Dr. Udo Metzinger

"TTIP - das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen als Chance oder Risiko?"

Interessierte Bürgerinnen und Bürger in Mölln diskutierten mit Dr. Udo Metzinger aus Leipzig

Durchaus kontrovers wurde vor wenigen Tagen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Demokratie leben“ in Mölln mit Dr. Udo Metzinger über die Frage diskutiert, ob dasdas europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP eher als Chance oder doch als Risiko zu bewerten ist. Rund 30 Besucher verfolgten im Stadthauptmannshof die fachlichen Ausführungen Dr. Metzingers und beteiligten sich mit vielen Nachfragen und Meinungen an der Suche für eine schlüssige Bewertung des TTIP. Dies erwies sich allerdings als schwierig, da die fehlende Transparenz des Aushandlungsprozesses, die auch Dr. Metzinger kritisierte, vielfach zu falschen Diskussionsinhalten führt. So mussten zunächst einmal grundlose Vorbehalte ausgeräumt werden, wie das „Chlorhühnchen“ oder das „Ende der deutschen Buchpreisbindung“, die im TTIP überhaupt nicht zur Verhandlung stehen. Intensiver wurde allerdings über die Frage diskutiert, wem TTIP mehr nützt. Geht es bei TTIP ausschließlich nur um die Vormachtstellung amerikanischer Großkonzerne und ist es gar ein Ausverkauf europäischer Interessen?

Hier zeigte sich das Publikum sehr skeptisch, aber auch verwundert, als Dr. Metzinger ein ums andere Mal die amerikanische Position im Verhandlungsprozess skizzierte und dort viel größere Vorbehalte gegenüber Europa ausmachen konnte. Auch der Hinweis darauf, dass der europäische Wirtschaftsraum deutlich größer ist als die amerikanische Volkswirtschaft regten zum Nachdenken an. Zuspitzen konnte der Referent aus Leipzig die Diskussion, als es um die geopolitische Bewertung des Freihandelsabkommen ging. „TTIP ist auch als Initiative der gesamten westlichen Welt zu werten, in Wirtschaftsfragen die geopolitische Vormachtstellung gegenüber den sogenannten BRICS-Staaten (Brasilien, Rußland, Indien , China und Südafrika) nicht zu  verlieren. Ist es nicht doch vielleicht auch unser europäisches Interesse, in einem Weltwirtschaftraum zu leben, der maßgeblich von westlichen Werten geprägt ist, als beispielsweise durch chinesische oder russische Interessen?“ Aus diese Fragestellung entwickelte sich ein spannendes Pro und Contra, für das die  Veranstalter, Mark Sauer vom Verein Miteinander leben e.V. und Christel Happach-Kasan von der Stiftung Herzogtum Lauenburg, das Publikum zum Abschluss sehr lobte. „Politische Bildungsveranstaltung machen gerade dann richtig Spaß, wenn die Positionen entsprechend kontrovers sind.“, sagte Mark Sauer und dankte einmal mehr dem Lokalen Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie des Kreises Herzogtum Lauenburg, solche politische Bildungsveranstaltungen zu ermöglichen.


   

Dr. Serge Embacher

"Kommunale Selbstverwaltung in der demokratischen Krise? – Wenn den Bürger nichts mehr interessiert"

Dr. Serge Embacher referierte über Forschungsergebnisse aus der Politikwissenschaft

Kommunalpolitik beobachtet in den vergangenen Jahren ein zunehmendes Desinteresse der Bürgers an ihrer kommunalen Demokratie und begegnet diesem Trend mit einer gewissen Ratlosigkeit. In dieser Weise lässt sich der Erfahrungshorizont des Teilnehmerkreises des Seminars "Kommunale Selbstverwaltung in der demokratischen Krise? – Wenn den Bürger nichts mehr interessiert" zusammenfassen, zu dem der Verein Miteinander leben e.V. im Rahmen der Reihe „Demokratie leben“ mit Dr. Serge Embacher vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) einen ausgewiesen Experten in die Internationale Begegnungsstätte „Lohgerberei“ Mölln eingeladen hatte. Im Zentrum der ganztägigen Analyse und Diskussion stand dementsprechend die Fragestellung, warum es sich als zunehmend schwierig erweist, kommunalpolitische Themen dem Bürger nahe zu bringen oder gar kommunalpolitisches Engagement zu gewinnen. Zeichnet sich in der hier eine vermeintliche Krise der Demokratie im Allgemeinen ab? Oder ist gar alles in Ordnung in den Städten und Gemeinden, dass der Bürger keine Notwendigkeit sieht, sich einzubringen? Sind es nur noch persönliche Belange, die einen Menschen politisch werden lässt, hat das „Gemeinwesen“ ausgedient? Und wie soll und kann sich die Kommunalpolitik darauf einstellen? Einfache Antworten hierzu kann auch die Politikwissenschaft nicht liefern, aber doch Hinweise auf Grundströmungen des Politischen geben, die sich auch in der Kommunalpolitik bemerkbar machen und dort oft nur wenig beeinflussbar sind. So verwies Dr. Embacher in seiner Analyse zunächst auf bundespolitische Trends, die auch bei den Kommunalwahlen eine Rolle spielen. Kommunalwahlkämpfern schlage sehr häufig Missmut gegenüber politischen Entscheidungen in Berlin entgegen und überdecke dabei kommunalpolitische Themen, führte Dr. Embacher aus. Zudem sei auch auf kommunaler Ebene die Komplexität der Sachverhalte angestiegen, so dass viele Bürger zunehmend die Mühe scheuen, sich damit auseinanderzusetzen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt sei, so Dr. Embacher, aber auch die mangelnde Wertschätzung für diese Art des Ehrenamtes. Während die Bürger das Engagement eines Jugendfußballtrainers uneingeschränkt loben, wird die ehrenamtliche Zeit, die Kommunalpolitiker damit verbringen, sich in gerade diese komplexen und umfangreichen Sachverhalte einzuarbeiten, kaum gewürdigt. Der Kontakt zu Kommunalpolitikern werde häufig sogar aus vermeintlicher Angst vor Vereinnahmung für „deren Interessen“ gemieden. Dies geht einher mit einer vielfach anzutreffenden und paradoxen Haltung des „Wir Bürger – Die Politiker“. Und natürlich ist auch die zunehmende Finanznot von Kommunen, die Handlungsspielräume der Selbstverwaltung massiv einschränkt, ein weiterer Grund, warum Kommunalpolitik von den Bürgern als wenig interessant eingestuft wird.

Dass es möglich ist, diesen Tendenzen entgegen zu wirken, zeigte die anschließende Diskussion. Während es zwar wenig Einflussmöglichkeiten auf bundespolitische Trends oder Vorgaben wie die Ausstattung der kommunalen Finanzen gebe, lässt sich aber vor Ort durchaus über solche Trends diskutieren, um so auch in der Kommune die Möglichkeit zum Mitwirkenan gesamtgesellschaftlichen Themen zu geben. Ebenso lässt sich die Wertschätzung von kommunalpolitischen Engagement verbessern, wenn man in der Öffentlichkeit stärker beschreibt, was in der Kommunalpolitik tatsächlich geleistet wird. Zudem wurde auch eine verstärkte politische Bildung auf kommunaler Ebene als wünschenswert erachtet, durchaus auch schon in den Schulen und unter direkter Beteiligung von Parteien, die laut Verfassung ja gerade an der politischen Willensbildung mitwirken sollen. Einig waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars, dass es lohnend ist, sich als Kommunalpolitiker verstärkt über diese Aspekte auszutauschen und auch fachlich beraten zu lassen.


   

"Demokratie leben" -
Politische Bildungsreihe 2014 startet im Spätherbst

„Demokratie muss gelebt werden, Demokratie muss erlernt werden.“ … unter diesen Motto hat der Verein Miteinander leben e.V. vor drei Jahren zusammen mit Bildungseinrichtungen in der Region die politische Vortrags- und Fortbildungsreihe „Demokratie leben“ ins Leben gerufen, um damit Wissen zu erschließen und Diskussionsprozesse für eine gelebte Demokratie anzustoßen. Sie wurde 2012 im Rahmen des „Jahres der politischen Bildung“ mit weiteren Kooperationspartner thematisch ausgebaut und soll auch in diesem Jahr im Spätherbst eine Fortsetzung finden.

Politische Bildung umfasst ein weites Spektrum von Themen, die immer oder immer wieder aktuell sind und bei denen es als politisch interessierter Bürger gilt, am Ball zu bleiben, um Bescheid zu wissen, was geschieht, um sich eine eigene Meinung bilden und um mitdiskutieren oder mitgestalten zu können. In diesem Sinne bietet die diesjährige Reihe „Demokratie leben“ wieder zahlreiche Veranstaltungsangebote mit verschiedenen Experten an ganz unterschiedlichen Orten im Kreis. So wird unter anderem Prof. Dr. Hajo Funke aus Berlin bei der Volkshochschule Ratzeburg zu Gast sein und über „Den NSU-Prozess und seine Bedeutung in der Gesellschaft“ referieren, Dr. Udo Metzinger aus Leipzig in Mölln einen Vortrag über "TIPP - Das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen - Chance oder Risiko?" halten und Kurt Edler, Vorsitzender der Gesellschaft für Demokratiepädagogik, eine Vortragsdiskussion zum Thema „Wie können wir Regeln eines friedlichen Zusammenlebens entwickeln? Wie gelingt das in Schule und Zivilgesellschaft?“ im Ratzeburger Petri-Forum anbieten.

Neu im Programm werden neben den Abendvorträgen zwei Ganztagsseminare angeboten, die sich zum einem konkret an Lehrkräfte und Sozialpädagogen und zum anderen an kommunalpolitisch aktive Menschen richten sollen.

Dr. Serge Embacher, Politikwissenschaftler aus Berlin und dort beratend für den Bundestag tätig, bietet unter dem Titel „Kommunale Selbstverwaltung in der demokratischen Krise? – Wenn den Bürger nichts mehr interessiert“ an, das Thema der sinkenden Wahlbeteiligung auf kommunaler Ebene intensiv zu bearbeiten.

Kurt Edler möchte in seinem Seminar „Demokratiepädagogik in Schule und Jugendarbeit“ die Fragestellung bearbeiten, wie eine demokratische Kultur in den Alltag von Schulen und Jugendeinrichtungen eingeführt werden und dort auch gelingen kann.

Mit Sindyan Qasem von der Initiative ufuq.de – Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft soll zudem das Thema Antisemitismus und sein Wiederstarken in unserem Land im Gefolge des Nahost-Konfliktes behandelt werden.

Detaillierte und aktuelle Informationen zu diesen und allen weiteren Veranstaltungen sind hier auf der Webseite zu finden.

Die Seminarangebote wie auch die Vortragsangebote sind kostenfrei und werden gefördert durch den Lokalen Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie des Kreises Herzogtum Lauenburg im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.


   

„Demokratiescouts" mit dem Deutschen Bürgerpreis für Schleswig-Holstein 2013 ausgezeichnet

Die „Demokratiescouts“, ein Jugendbeteiligungsprojekt des Vereins Miteinander leben e.V., sind am vergangenen Donnerstag mit dem Deutschen Bürgerpreis 2013 der Initiative "für mich. für uns. für Schleswig-Holstein." ausgezeichnet worden. Eine Jury bestehend aus Mitgliedern des Sozialausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtages und Vertretern der schleswig-holsteinischen Sparkassen bewertete das Projekt in der Kategorie U21 als landesweit beste Jugendinitiative zum Motto ,,Engagiert vor Ort: mitreden, mitmachen, mitgestalten!".

Die „Demokratiescouts“ sind rund 35 Kinder und Jugendliche aus Ratzeburg, Mölln und auch Lauenburg, die sich in Vorbereitung auf die Kommunalwahlen 2013 mit Unterstützung durch Möllns Streetworker Axel Michaels, Peter Linnenkohl vom Bundesprojekt "Mach mit" des Diakonischen Werkes sowie den Mitarbeitern des Gleis 21, der Kieler Theaterpädagogin Nadeshda Gerdt und dem Erstwählerprogramm des Kreisjugendringes intensiv mit Demokratie und Mitbestimmung auseinandergesetzt und sich aktiv mit ihren jugendpolitischen Themen in den Wahlkampf eingebracht haben. Ergänzt wurde die Projektarbeit durch die Initiative der „Mini-Demokratiescouts“, eine Kindergruppe im Alter vom 6 bis 12 Jahren, die angeleitet von Karo Michaelis im GLEIS 21 demokratische Prozesse mit der Wahl ihres „Konfettirates“ spielerisch, aber mit großer Ernsthaftigkeit erlernte.

Das Projekt wurde im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in der Kieler Sparkassenakademie, zu der Landtagspräsident Klaus Schlie als Schirmherr des Wettbewerbes rund 200 geladene Gäste begrüßte, in Form einer Videopräsentation vorgestellt. In einer anschließenden Gesprächsrunde beschrieben Thilo Fokuhl und Annika Sauer vertretend für die „Demokratiescouts“ die vielfältigen Erfahrungen ihrer Projektarbeit, mit den Workshops zur Bestimmung jugendpolitischer Themen, über das Fotoshooting für die Plakatgestaltung, die Beteiligung am Kommunalwahlkampf, den Besuch im Kieler Landeshaus mit dem Gespräch bei Ministerpräsident Torsten Albig bis hin zur Ausrichtung der Wahlparty in Mölln und dem Theaterzug der Wahlkarawane durch Ratzeburg.

Als anschließend verkündet wurde, dass die „Demokratiescouts“ aus dem Bewerberfeld als Landessieger gekürt worden sind, herrschte zunächst eine fassungslose Stille bei den zehn mitgereisten „Demokratiescouts“, bevor sich dann doch großer Jubel Bahn brach. Aus den Händen von Alexandra Ehlers, Vorsitzende des Landesjugendrates Schleswig-Holstein erhielten die „Demokratiescouts“ ihre Siegerurkunde und das stolze Preisgeld in Höhe von 3.000 €, das der Fortführung der laufenden Jugendbeteiligungsprojekte in Mölln und Ratzeburg zu Gute kommen soll.

"Es war für uns alle eine große Überraschung, denn schließlich waren noch zwei andere, wirklich gute Projekte nominiert. Wir empfinden es als großartige Bestätigung für unser Projekt.", sagte Annika Sauer von den Ratzeburger "Demokratiescouts". Thilo Fokuhl von der Möllner Projektgruppe ergänzte dazu: „Dieser Preis ist für uns ein großer Ansporn, uns weiter in diesem Bereich zu engagieren und neue Projektideen zu entwickeln, “

Auch Mark Sauer, Vorsitzender des Vereins Miteinander leben e.V. zeigte sich über die Auszeichnung hocherfreut: „Es macht einen Riesenspaß, solche Projekte für Kinder und Jugendliche zu organisieren und mit ihnen durchzuführen. Und wenn im Ergebnis deren Engagement und Begeisterung auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen und in dieser Form gewürdigt wird, ist das einfach nur großartig. Dankbar bin ich dabei für die Unterstützung durch Lokalen Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie des Kreises Herzogtum Lauenburg, durch dessen Förderung im Rahmen des Bundesprogrammes „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" unsere prämierte Projektarbeit erst ermöglicht wurde.“

Als Landessieger in der Kategorie U21 des Deutschen Bürgerpreises für Schleswig-Holstein, der zum zehnten Mal an Menschen vergeben wurde, die sich ehrenamtlich für ihre Mitbürger engagieren, sind die „Demokratiescouts“ nun auch für den Bundeswettbewerb qualifiziert, der im Dezember in Berlin vergeben wird. Natürlich hoffen die "Demokratiescouts" jetzt auf eine Fortsetzung.

Große Freude bei den "Demokratiescouts" und den Unterstützern des Projektes (vl. Sarah, Matthias Beck, Kreisjugendschutz, Katarina, Anton, Labiba, Thilo, Lukas, Annika, Pauline, Christian Klingbeil vom GLEIS21, Michelle , Chantal, Peter Linnenkohl vom Projekt "Mach Mit", Michael Dunkel von der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, Streetworker Axel Michaelis und Mölln Bürgermeister Jan Wiegels.
Foto: Dieter Schneider

Kontakt:
Verein Miteinander leben e.V.
Mark Sauer (Vorsitzender)
miteinander.leben@t-online.de